Dr. Bernhard Lukas  
 

   

Ellbogenbruch

 

Ursache

Zu Knochenbrüchen im Bereich des Ellbogen kommt es im Regelfall durch Stürze auf den Ellbogen oder aber auf das Handgelenk. Erforderlich sind meist höhere Krafteinwirkungen.

Das Ellbogengelenk ist ein 3-Komponenten-Gelenk, an dem die körpernahe Speiche, die körpernahe Elle sowie der körperferne Oberarmknochen beteiligt sind. Entsprechend dem Sturzmechanismus sind besonders frakturgefährdet das Radiusköpfchen (körpernaher Teil der Speiche) und das Olecranon (körpernaher Teil der Elle).

Bei relativ hoher Krafteinwirkung kann die Gelenkrolle des Oberarmknochens brechen, die aus einem speichenseitigen und einem ellenseitigen Anteil besteht. Betroffen sind entweder jüngere Patienten bei schwerer Krafteinwirkung oder aber ältere Patienten durch eine vorbestehende Osteoporose.

 

Symptome

Schwellung, Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit

 

Diagnostik

Meist ist bereits äußerlich eine Fehlstellung erkennbar.

 

Röntgendiagnostik

Ellbogengelenk in zwei Ebenen. Lässt sich dadurch die Gelenksituation nicht sicher beurteilen, sollte eine Computertomographie in Dünnschichttechnik durchgeführt werden. Eine Kernspintomographie ist hilfreich wenn zusätzlich der Verdacht auf eine Ruptur der Kollateralbänder vorliegt.

 

Radiusköpfchenfraktur

Bei nur geringer Fehlstellung der Achse oder nur ganz geringer Impression der Gelenkfläche weniger als 1 mm kann durch eine konservativ Oberarmschienenruhigstellung für etwa 2-3 Wochen der Bruch zur Ausheilung gebracht werden.

Alle stärkeren Brüche mit Achsabweichungen oder Knochenverschiebung oder aber Brüche mit Stufenbildung der Gelenkfläche müssen operativ entweder mit einzeln eingebrachten Minischrauben oder aber durch kleine Titanplatten stabilisiert werden.

 

 

Olecranonfrakturen

Olecranonfrakturen müssen im Regelfall mit einer Drahtzuggurtung oder aber einzelnen Schrauben versorgt werden, da es durch den Zug des Oberarmstreckmuskels zur Dehiszenz des Knochenbruches kommt.

 

 

Humeruskondylenfrakturen

Brüche der Oberarmgelenkrolle lassen sich bei einfachen Brüchen durch einzelne Schrauben, bei komplexen Zertrümmerungen aus einer Kombination von Platten und Schrauben versorgen.

Bei komplexen Instabilitäten, bei denen es auch zum Abriss der seitlichen Führungsbänder kommt, muss in besonders schweren Fällen der Instabilität ein gelenküberbrückender Fixateur externe angelegt werden.

 

 

Prognose

Nach Radiusköpfchenbrüchen sowie Olecranonbrüchen ist die Prognose gut, die volle Beweglichkeit wiedererlangen zu können. Nach Brüchen der Oberarmrolle oder aber komplexen Verletzungen, besonders wenn es sich um Mehrfachbrüche handelt, ist meist mit einer bleibenden Einschränkung der Gesamtbeweglichkeit des Ellbogens zu rechnen.

 

Entfernung des Osteosynthesematerials

Einzeln eingebrachte Schrauben müssen nicht entfernt werden. Zuggurtungsosteosynthesen werden nach etwa 6-8 Wochen entfernt. Platten, die im Bereich der Oberarmrolle eingebracht werden ca. 6-12 Monate postoperativ.

 

Nachbehandlung

Auch nach operativer Versorgung der Brüche wird meist postoperativ eine Oberarmschiene angelegt aus der Schiene heraus muss jedoch in Abhängigkeit von der Stabilität der Osteosynthese relativ zügig mit Bewegungsübungen begonnen werden um die ansonsten drohende Einsteifung des Ellbogengelenkes zu vermeiden.

 

Komplikationen

Es gelten neben der Gefährdung des Nervus ulnaris (Ellennerv) bei Operationen am Olecranon oder der Oberarmrolle die Gefährdung des Nervus radialis (Speichennerv) bei Operationen am Radiusköpfchen. Darüber hinaus gelten die üblichen Komplikationen einer Osteosynthese.