Dr. Bernhard Lukas  

   

Arthrose der Fingergelenke

 

 

             

 

Wie an vielen anderen Gelenken des Körpers (z.B. Hüfte oder Knie) können auch an den Fingergelenken arthrotische Veränderungen eintreten. Diese führen zu einem Aufbrauchen des Gelenkknorpels mit der Folge von Schmerzen, Bewegungseinschränkung und Verdickung des betroffenen Gelenkes.
Die primäre Arthrose der Fingerendgelenke nennt man Heberden-Arthrose, die der Fingermittelgelenke Bouchard-Arthrose.

 

Häufigkeit und Vorkommen

Auftreten zwischen 30-40. Lebensjahr. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Bei der Fingerendgelenksarthrose liegt die Verteilung Frauen: Männer bei 10:1.

 

Ursachen

Meist primäre Arthrosen deren Ursachen bisher nicht endgültig geklärt sind. Am ehesten dürfen erbliche Faktoren, hormonelle und stoffwechselbedingte Ursachen für die Entstehung der Fingerarthrose verantwortlich gemacht werden. Zum Teil entstehen Arthrosen auch sekundär nach schlecht verheilten Brüchen mit Gelenkbeteiligung.

 

Symptome

Der Patient beobachtet typischer Weise Verdickungen an den betroffenen Gelenken, zunehmende Bewegungseinschränkung und Schmerzen. Weiterhin findet sich gelegentlich eine Kälteempfindlichkeit und Morgensteifigkeit.

 

Diagnose

Wegweisend sind das Befallsmuster der Gelenke sowie die Symptomatik. Die betroffenen Gelenke sind plump,verdickt und mehr oder wenig bewegungseingeschränkt. Im Röntgenbild kann man die typischen Gelenkveränderungen erkennen. Blutuntersuchungen sind nicht aussagekräftig.

Abgrenzen muss man verschiedene Systemerkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen können wie z.B. Gicht (Harnsäureerhöhung im Blut, Befall einzelner Gelenke im „Anfall“), rheumatoide Arthritis (Rheumafaktoren im Blut, Befall anderer Gelenk, begleitende Entzündung von Sehnenscheiden, ggf. Gelenkpunktion)

 

                   

Typischer Röntgenbefund bei Arthrose des Fingermittel- und -endgelenkes

  

 


Therapie

Behandelt wird die Fingergelenksarthrose dann, wenn es zu Schmerzen oder durch Abnutzung des Gelenks zu einer Einschränkung der Funktion (Verringerung des Bewegungsausmaßes) kommt.
Es stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

Konservative Behandlung:

  1. Medikamente (Nichtsteroidale Antiphlogistika) wirken gegen Entzündung und Schmerz
  2. physikalische Maßnahmen (Salben, Wärmeanwendung durch Bäder, Schlammpackungen, Kohlensäurebäder) verbessern mit dosierten Bewegungsübungen die Funktion und lindern die Schmerzen.
  3. Injektionen in das Gelenk (Lokalanästhetikum mit Kortison) sollten nur einmalig oder in großen Abständen erfolgen. Hierdurch kann der Schmerz und die Entzündung im Gelenk eingedämmt werden. Die Wirkung ist jedoch sehr unterschiedlich und reicht von tagelanger bis monatelanger Linderung. Meist treten die Beschwerden über kurz oder lang wieder auf.
  4. Die Gabe von Knorpelaufbauenden Substanzen ist umstritten, da einer oft unzureichenden Wirkung sehr hohe Kosten entgegenstehen.

 

Operative Behandlung:

Die operative Behandlung von Fingergelenksarthrosen richtet sich nach Ausmaß der Bewegungseinschränkung am betroffenen Gelenk, den Schmerzen und dem radiologischen Befund. Ganz wesentlich bei der Wahl eines Operationsverfahrens ist dabei, welches Gelenk betroffen ist. Am Bewegungsumfang eines Fingers haben Grundgelenk, Mittelgelenk und Endgelenk einen ganz unterschiedlichen Anteil. Die größte Bedeutung kommt dabei dem Grundgelenk mit ca. 70% zu. Aus diesem Grund wird dieses Gelenk nur in Ausnahmefällen versteift. Das Mittelgelenk hat einen Anteil von ca. 27% am Bewegungsumfang eines Fingers. Auch hier setzt sich immer mehr die Versorgung mit Gelenkprothesen durch. Das Endgelenk mit einem Anteil von nur 3% kann technisch nicht mit einer Prothese versorgt werden. Die Versteifung dieses Gelenkes kann jedoch ohne wesentliche Funktionseinbuße vorgenommen werden.

 


Arthrose der Fingerendgelenke (rot)
Arthrose der Fingermittelgelenke (grün)

Arthrose des Fingergrundgelenks (gelb)


  

 

Folgende Operationsverfharen werden durchgeführt:

    1. Denervierung des Gelenkes. Dabei werden die schmerzleitenden Nervenfasern vom Gelenk abgelöst. Häufig kann hierdurch längere Schmerzlinderung erreicht werden. Der Vorteil dieser Operation liegt im (vorübergehenden) Erhalt der Bewegungsfähigkeit des Gelenkes. Der Nachteil liegt darin, dass die Ursache der Beschwerden nicht beseitigt wird und diese im weiteren Verlauf meist wieder auftreten und somit weitere Operationen erforderlich werden.
    2. Entfernung der knöchernen Ausziehungen und störenden Knoten, insbesondere wenn im Bereich der Knoten die Haut sehr dünn wird. Diese Operation ändert nichts an Schmerzen und führt zur keiner Verbesserung der Funktion, sie dient lediglich dem Schutz vor einem Durchbruch der Knoten durch die Haut bzw. einer ästhetischen Verbesserung.
    3. Wenn bereits eine starke Verformung des Gelenkes vorliegt und die Bewegung deutlich eingeschränkt ist, kommt im Bereich der Fingerendgelenke lediglich eine Versteifung des Gelenkes in Frage. Dies bedeutet nicht, dass der gesamte Finger hinterher steif ist, sondern lediglich das betroffene Gelenk. Die Funktion des Fingers wird hierdurch kaum gestört. Die Versteifung erreicht man dadurch, dass man die verbleibenden Knorpelreste vom Gelenk entfernt und dann die Stellung mit Drähten oder einer speziellen Schraube hält. Für die Zeit in der der Knochen verheilen muss (ca. 6 Wochen) erhält der Patient eine kleine, maßgefertigte Fingerschiene (Stack-Schiene oder Sandwich-Schiene).

 

                                       

 

 

    1. Bei Arthrose im Bereich der Fingergrund- und Fingermittelgelenke hat man zusätzlich die Möglichkeit, ein künstliches Gelenk (Prothese) einzusetzen. Prothesen ermöglichen die weitere Beweglichkeit des Gelenkes sowie eine weitgehende oder vollständige Schmerzreduktion. Das Ausmaß der postoperativen Beweglichkeit ist jedoch stark von den individuellen Gegebenheiten abhängig, so dass bleibende Bewegungseinschränkungen resultieren können.

 

       
Pyrocarbonprothese des Fingermittelgelenkes

 

 

              Prothesentypen aus Pyrocarbon

 

 

 

 

Prothese für Fingermittelgelenk

 








Implantierte Pyrocarbonprothese am Fingergrundgelenk

 

    1. Weiterhin gibt es in bestimmten Fällen noch die Möglichkeit, das Gelenk mit körpereigenen Materialien zu rekonstruieren, genannt Arthroplastik. Dies geschieht in der Regel durch das Einschlagen bzw. Transplantieren von sehnigem oder knorpeligem Gewebe. Das Ziel dieser Operationsform ist ebenfalls die Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit. Es handelt sich hierbei meist um komplexere Eingriffe, die Auswahl der hierfür in Frage kommenden Patienten muß kritisch erfolgen.

 

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung sieht abhängig vom durchgeführten Verfahren ein bestimmtes Schema aus Schienenruhigstellung und anschließender Krankengymnastik oder Handtherapie vor.
Bis wieder problemloses Zugreifen mit Kraft möglich ist, vergehen meist 8-12 Wochen nach der Operation.

 

Komplikationen

Neben den üblichen Operationsrisiken wie Gefäß- und Nervenverletzungen, Wundheilungsstörungen und Infektionen kann es bei der Versteifung in Einzelfällen zu einem fehlenden Verheilen des Knochens kommen, was eine erneute Operation nach sich ziehen würde. Bei Prothesen kann es in seltenen Fällen zu einer Lockerung der Prothese oder einem Bruch des Knochens um die Prothese herum kommen. In seltenen Fällen kann es bei gelenkerhaltenden fällen zur Verschlechterung von Beweglichkeit und Schmerzen kommen