Dr. Bernhard Lukas  
 

   

Infektionen

 

Ätiologie

Entzündungen im Bereich der Hand können entstehen, wenn im Rahmen einer Verletzung Bakterien durch die Haut in die Tiefe eindringen. Als Verletzungsursache kommen jegliche Schnitt-, Stich-, Rissverletzungen u.s.w. in Frage, besonders gefährlich sind Bissverletzungen, da es sich hier meist um sehr virulente, also besonders gefährliche Keime handelt. Auch kleine Risse in der Haut aus verschiedensten Ursachen können als Eintrittspforte für Keime dienen. Weiter können nach Routineoperationen an der Hand postoperative Wundinfekte entstehen. Deutlich seltener können Bakterien über den Blutweg in die Hand gelangen und hier eine Entzündung verursachen.
Unter ungünstigen Umständen (z.B. bei abwehrgeschwächten Menschen oder Diabetes mellitus) sowie bei entsprechender Virulenz des Erregers kann sich dann eine floride Entzündung entwickeln. Der am häufigsten nachgewiesene Keim ist Staphylococcus aureus.

 

Symptome

Typisch für die betroffene Hautregion ist eine Rötung, Schwellung und Überwärmung. Es kann sich eine lokale Ansammlung von Eiter ausbilden. Man spricht von einer Abszessbildung, welche häufig mit einem pochenden Schmerz einhergeht. Angrenzende Gelenke sind schmerzhaft bewegungseingeschränkt.

 

 

 

Diagnostik

Entscheidend ist das lokale Erscheinungsbild, also die klinische Symptomatik (s. Symptome). Bei der Funktionsprüfung kann eine deutliche Schmerzverstärkung bei passiver Steckung der betroffenen Finger eine fortschreitende Infektion anzeigen. Ergänzend wird i.d.R. ein Röntgenbild der betroffenen Hand angefertigt, um ein eventuelles Übergreifen der Infektion auf knöcherne Strukturen oder evtl. auch einen röntgendichten Fremdkörper erkennen zu können. Es wird eine Blutuntersuchung vorgenommen, wobei vor allem das C-reaktive Protein (CRP-Wert) und die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) von Interesse sind, beide steigen infektionsbedingt an. Manchmal kann es zu einer Fortleitung der Entzündung in der Haut über die Lymphbahnen kommen (Lymphangitis). Man erkennt sie an rötlichen Streifen welche vom Ort der entzündeten Region zum Körperstamm ziehen, dann häufig begleitet von geschwollenen und druckschmerzhaften Lymphknoten in der Ellenbeuge oder in der Achselhöhle.

 

Therapie

Konservative Therapie:
Bei beginnenden Symptomen ohne Abszessbildung.
- Ruhigstellung (Schiene)
- lokale Eisbehandlung
- Hochlagerung der betroffenen Extremität
- je nach Ausmaß des Befundes Beginn einer Antibiotikatherapie; nicht immer erforderlich!



Operative Therapie:


Bei einer eiterbildenden, abszedierenden Entzündung, bei Zunahme oder Nichtrückgang der Symptome trotz erfolgter konservativer Therapie.
Grundsätze einer Operation:
- Bei lokalem Abszeß wird dieser ausgeschnitten (exzidiert), die Wundhöhle gespült, das Weichgewebe mechanisch gereinigt (debridiert) und meist eine Lasche eingelegt, damit noch nachlaufendes Sekret abfließen kann.
- Bei Übergreifen des Infektes auf Beugesehnenscheiden müssen diese gespült werden. Dies kann je nach Ausmaß des Befundes über mehrere kleinere Schnitte erfolgen (mittels Spülkanülen), ggf. muß die Haut unter Berücksichtigung der speziellen Anatomie an Hand und Fingern langstreckig zick-zackförmig eröffnet werden und eine gründliche Reinigung allen infizierten Gewebes erfolgen.

 


- Intraoperativ Gewinnung eines Abstriches oder besser einer Gewebeprobe zur mikrobiologischen Untersuchung. Bei konkretem Keimnachweis kann eine Bestimmung bezüglich der Wirksamkeit verschiedener Antibiotika erfolgen (Antibiogramm). So wird sichergestellt, dass die nach der Probengewinnung begonnene Antibiotikatherapie auch tatsächlich wirksam ist. Ist sie dies nicht, muß die Therapie testgerecht umgestellt werden.
- Ausgiebige Spülung der Gewebe mit steriler Natrium-Chlorid Lösung oder auch gewebeverträglichen Desinfektionslösungen.
- Evtl. Einlegen von lokalen Antibiotikaträgern. Ketten müssen nach wenigen Wochen wieder entfernt werden, Schwämme lösen sich im Körper selbst auf.
- Bei schweren Infektionen müssen manchmal mehrere Operationen hintereinander geschaltet werden.

 

 

 

Prognose

Entscheidend ist der Zeitpunkt der Diagnosestellung und somit des Therapiebeginns. Wird eine Infektion früh erkannt und korrekt behandelt, so kann i.d.R. eine folgenlose Ausheilung erreicht werden. Gelingt dies nicht, kann es vor allem zu Bewegungseinschränkungen kommen durch Verklebungen unterschiedlicher Strukturen miteinander. Dies macht mitunter nach Abklingen der eigentlichen Infektion weitere Operationen mit dem Ziele der Funktionsverbesserung erforderlich (z.B. Lösen der Verklebungen, insbesondere der Sehnen).

 

Einige spezielle Krankheitsbilder

 

Paronychie (Nagelwallentzündung)

Infektion des Weichteilrandes seitlich eines Fingernagels mit Schwellung, Rötung und starker Schmerzhaftigkeit, im Verlauf auch Eiteransammlung. Schreitet die Infektion fort (selten), kann sich ein Panaritium subcutaneum (betrifft die Unterhaut) oder auch ein Panaritium articulare (Einbruch in das angrenzende Fingergelenk) ausbilden.

Therapie: Zunächst konservativ mit Ruhigstellung, lokal desinfizierenden Maßnahmen mittels Salbenverbänden oder Fingerbädern, Kühlung.
Bei fortschreitender Infektion operative Therapie mittels Inzision.
Bei reiner Nagelwallinfektion ohne Fortleitung der Infektion ist keine Antibiotikatherapie erforderlich.

 

 

Infektion von Beugesehnenscheiden

 

Durch eine tiefergehende Verletzung der Haut können Bakterien bis zu den Sehnenscheiden vordringen und sich entlang dieser wie in einem Tunnel ausbreiten. Auf Grund der speziellen Anatomie der Beugesehnenscheiden kann bei Befall des Daumens oder des Kleinfingers die sogenannte V-Phlegmone entstehen. Die Infektion kann sich auch auf verschiedene Hohlhandräume ausbreiten (Mittelhand- und Thenarraum). Typisch für diese Krankheitsbilder ist eine Fingerstellung mit leichter Überstreckung in den Finger-Grundgelenken und Beugung in den Finger-Mittelgelenken (Intrisic-minus-Stellung).

Therapie: Zunächst konservativ mit Ruhigstellung, Kühlung und Antibiotikatherapie. Bei Fortschreiten der Infektion dringlich operative Therapie mit Spülung und Reinigung allen infizierten Gewebes, da sonst gravierende Funktionseinschränkungen drohen.