Dr. Bernhard Lukas  
 

   

Die Skaphoidfraktur (Kahnbeinbruch)

Betroffen sind vor allen Dingen jüngere, sportlich aktive Menschen.

Mit etwa 70 % ist die Skaphoidfraktur die häufigste Fraktur der Karpalknochen, der Altersgipfel liegt zwischen 15 und 30 Jahren mit deutlicher Prävalenz des männlichen Geschlechts.

Besonders gefährdete Sportarten:
Fussball, American Footbal, Baseball, Hockey, Snowboard, Fahrrad.
Symptome:
Schwellung im Bereich des speichenseitigen, Handgelenkes, schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Handgelenkes, Druckschmerz. Snuffbox.

 

Ursache

Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk
Dabei sind Kräfte von etwa 200 kp und mehr erforderlich.

 

 

Diagnostik

Röntgen Handgelenk in 2 Ebenen, in Ergänzung mit der sogenannten Stecheraufnahme, bei der das Handgelenk ellenwärts abgewinkelt ist

Ist keine Fraktur nachweisbar besteht aber anamnestisch und klinisch der Verdacht, muss die Diagnostik um eine computertomographische Untersuchung ergänzt werden. Erforderlich ist eine Dünnschicht CT in Längsachse des Skaphoid mit einer Schichtdicke < 1 mm. Die Kernspintomographie ist zur Diagnostik einer Fraktur primär entbehrlich für den Fall, dass die Computertomographie zur Verfügung steht. Die MRT ist vor allen Dingen bei der Skaphoidpseudarthrose zur Beurteilung der Durchblutung der Fragmente indiziert.

 

 

Klassifikation der Skaphoidfraktur

nach T. Herbert

Typ A – frische stabile Frakturen
A1 Frakturen des Tuberculumossisscaphoidei
A2 Inkomplette Frakturen des distalen und mittleren Drittels

 

 

 

Typ B – frische instabile Frakturen

B1 Schrägfrakturen des distalen und mittleren Drittels
B2 Querfrakturen des distalen und mittleren Drittels
B3 Frakturen des proximalen Pols
B4 Transscaphoidale perilunäre Luxationsfrakturen

 

Behandlung

A1-Frakturen sollen konservativ, A2-Frakturen können konservativ behandelt werden.

Konservative Therapie
Unterarmgips mit Daumeneinschluss für sechs Wochen.

 

Operative Therapie

Alternativ werden durch die Entwicklung kanülierte Schrauben, zunehmend auch stabile Frakturen minimal invasiv versorgt. Nach einer minimalinvasiven Verschraubung der Skaphoidfraktur ist im Regelfall keine postoperative Gipsruhigstellung erforderlich.

 

 

 

 

Instabile Frakturen

Instabile Frakturen werden im Regelfall operativ versorgt. Handelt es sich um nur wenig verschobene Brüche, können auch diese durch die perkutane Schraubenosteosynthese versorgt werden. Alle stark dislozierten Frakturen oder verspätet erkannte werden ausnahmslos offen versorgt. Entweder von palmar (B1 und B2) oder von dorsal (B3). Bei ausgeprägten Trümmerzonen ist im Einzelfall eine primäre Spongiosaplastik erforderlich. Die postoperative Ruhigstellung variiert zwischen zwei und vier Wochen.

 

 

Komplikationen


Auch bei optimaler Osteosynthese kann die Pseudarthrosenrate (Falschgelenkbildung) oder das Absterben des körpernahen Knochenstückes nicht immer vermieden werden. Ist dies der Fall, sind weitere operative Eingriffe meist erforderlich. Darüber hinaus gelten die allgemein bei Osteosynthesen üblichen Probleme wie Wundheilungsstörung, Schraubendislokation, Bewegungseinshränkung.

 

Metallentfernung

Eine Entfernung der implantieren Herbert-Schraube ist im Regelfall nicht erforderlich.

 

Nachbehandlung

In Abhängigkeit von der Versorgung ist eine entsprechende Schienenruhigstellung in einer Unterarmschiene mit Daumeneinschluss bis zur Dauer von sechs Wochen erforderlich. Im Anschluss daran sind Mobilisierungen des Handgelenkes unter krankengymnastischer Anleitung erforderlich. Nach perkutaner Schraubenosteosynthese, die ohne Gipsruhigstellung nachbehandelt wird ist zwar die Bewegung im Handgelenk im schmerzfreien Intervall erlaubt, vermieden werden sollte jedoch jegliche Form der Druckbelastung, z.B. Liegestützbewegungen für die Dauer von sechs Wochen. Sportfähigkeit ist in Abhängigkeit von der ausgeübten Sportart nach sechs bis zwölf Wochen möglich.