Dr. Bernhard Lukas  
 
 05.03.06
   

 

Skaphoidpseudarthrose (Kahnbeinpseudarthrose/Falschgelenkbildung nach Kahnbeinbruch)

 

 

Ursache


Kommt es nach einem Kahnbeinruch nicht zu einer Ausheilung des Bruches, so bildet sich eine Pseudarthrose (Falschgelenk). Die beiden Bruchstücke des Kahnbeines sind nicht durch eine Knochenbrücke fest miteinander verbunden, sondern können sich gegeneinander bewegen.
Zu dieser Falschgelenkbildung kann es bei unbehandelten, unkorrekt, aber aufgrund der schlechten Blutversorgung des Kahnbeines selbst bei rechtzeitig und korrekt behandelten Brüchen kommen. Je körperstammnäher der Bruch, desto größer die Gefahr einer Falschgelenkbildung.


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 Symptome


Die Symptome bei einer Falschgelenkbildung sind anfangs häufig nur sehr gering, manchmal besteht zunächst sogar absolute Beschwerdefreiheit!
Im Verlauf kommt es jedoch immer zu zunehmenden beschwerden auf der Daumenseite des Handgelenkes, vor allem bei Belastung. Im späteren Stadium kommen noch eine zunehmend Bewegungseinschränkung und Kraftverlust hinzu.

 

Diagnostik


Sind frische Brüche des Kahnbeins auf Standartröntgenaufnahmen anfangs oft schwer zu  erkennen, ist eine Kahnbeinpseudarthrose fast immer deutlich sichtbar. Ergänzend werden noch Spezialaufnahmen gemacht. Besteht danach der dringende Verdacht einer Falschgelenkbildung wird zur operativen Planung häufig noch eine Computertomographie (CT) und/oder eine Kernspintomographie (MRT) angeschlossen. Die MRT dient vor allem dazu, die Durchblutung der Bruchstücke zu beurteilen.

 

Behandlung


Jede Kahnbeinpseudarthrose sollte behandelt werden, da es ohne Therapie unweigerlich zu einer zunehmenden Instabilität im Handgelenk und damit zum nicht reparierbaren Knorpelschaden (Arthrose) kommt.
Durch eine Operation soll erreicht werden, dass die beiden Bruchstücke des Kahnbeines wieder zusammenwachsen.
Zunächst werden die beiden Bruchstücke angefrischt und sodann ein Knochenstück dazwischen eingebracht. Dieses Knochenstück wird in der Regel aus der gegenseitigen Beckenschaufel gewonnen. Zur Stabilisierung wir meist eine speziell für das Kahnbein entwickelte Schraube (Herbertschraube), seltener nur Drähte eingebracht. Die Schraube bietet den Vorteil, dass sie vollständig im Knochen versenkt und damit nicht wieder entfernt werden muss.
Ob eine Kahnbeinpseudarthrose von der Hohlhand- oder von der Handrückenseite aus operiert wird hängt davon ab auf welcher Höhe das Falschgelenk liegt. Liegt es in der körperfernen Hälfte des Kahnbeines wir von der Hohlhandseite, sonst von der Handrückenseite her operiert.

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Operationsergebnis: Kahnbeinrekonstruktion mit einem Beckenkammspan und Herbertschraube

 

 

Komplikationen


Auch hier gelten die üblichen Operationsrisiken wie bei Versorgung eines anderen Knochenbruches: Verletzung eines Nerven oder Gefäßes, Hämatombildung durch Nachblutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Reflexdystrophie.
Eine sichere Ausheilung kann auf Grund der schlechten Durchblutung des Kahnbeines leider nicht garantiert werden.

 

Nachbehandlung


Noch im Operationssaal wird eine Unterarmschiene mit Einschluss des Daumens angelegt. Während des stationären Aufenthaltes wir die Schwellung im OP-Gebiet durch entsprechende Maßnahmen (Hochlagerung, Lymphdrainagen…) behandelt. Nach Entfernung der Hautfäden, ca. 14 Tage nach der Operation wird die Schiene durch einen zirkulären Unterarmgips, ebenfalls mit Einschluss des Daumens ersetzt.
Insgesamt wird das Handgelenk für mindestens 6, maximal 12 Wochen ruhiggestellt.  Durch regelmäßige Röntgenkontrollen und bei Bedarf zusätzlich einer erneuten CT wir der Heilungsverlauf kontrolliert und das Handgelenk erst bei nachgewiesener Durchbauung zur Beübung freigegeben.