Dr. Bernhard Lukas  
 
 
   

Karpaltunnelsyndrom

 

Definition


Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) handelt es sich um ein Beschwerdebild auf Grund einer Druckschädigung des Nervus medianus (Mittelnerv) im Karpaltunnel (knöchern bindegeweblicher Kanal an der Handwurzel) durch Missverhältnis zwischen Weite und Inhalt des Tunnels.

 

Ursachen


Voraussetzung für die Entstehung ist ein anatomischer Engpass. Auslöser für die klinische Symptomatik ist eine Volumenzunahme des Tunnelinhaltes entweder durch Schwellungszustände des Sehnengleitgewebes, z.B. bei rheumatischen-, hormonellen- und stoffwechselbedingten Erkrankungen, nach Traumen oder durch tumoröse Raumforderungen.

 

Symptome


Eine leichtere Kompression des N. medianus im Karpaltunnel führt zunächst zu Reizsymptomen. Die Brachialgia paraesthetica nocturna oder das nächtliche Einschlafen der Hände ist typisches Erstsymptom. Die häufig schmerzhaften Kribbelparaesthesien oder nadelstichartigen Missempfindungen treten vorwiegend in den mittleren, später auch daumenseitigen Fingern auf. Neben der nächtlichen Zunahme der Beschwerden können sie auch durch bestimmte Tätigkeiten, Rad- Motorradfahren, Zeitungslesen ausgelöst werden. Sie lassen sich durch Ausschütteln und Reiben sowie Pumpbewegungen des Armes, Halten unter kaltes Wasser, bessern oder beseitigen.

Als Ausdruck einer zunehmenden Schädigung des Nerven wird das Auslösen einer elektrisierenden Missempfindungen (elektrische Schläge) angesehen.

Bei einem weiteren Fortschreiten kommt es zu Problemen bei feinmotorischen Tätigkeiten (z.B. Hausarbeiten) einer zunehmenden Taubheit der Fingerkuppen Im Spätstadium findet sich ein Muskelschwund der Daumenballenmuskulatur mit einer Schwäche des Daumens bei Abspreiz- und Oppositionsbewegung.

 

Diagnostik


Inspektion und Palpation zur Erkennung oder zum Ausschluss einer Muskelatrophie.
Prüfung der Oberflächensensibilität mit der 2-Punkte-Diskrimination. Bei der Prüfung der Motorik ist auf eine Oppositionsschwäche des Daumens zu achten.
Provokationstest: Phalentest und Hoffmann-Tinel-Zeichen. Elektrophysiologische Diagnostik: die sensible und motorische Neurographie sind empfindliche und zuverlässige Methoden zum Nachweis des chron. Karpaltunnelsyndrom. Empfohlen werden folgende Untersuchungen: Motorische Neurographie: Bestimmung der distal motorischen Latenz des Nervus medianus im Vergleich zur motorischen Latenz des Nervus ulnaris der betroffenen Hand.
Sensible Neurographie: sensible Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus medianus.
Routinemäßig ist die Elektromyographie des abductor pollocis brevis nicht erforderlich.

Optional bildgebende Untersuchungen bei Verdacht auf Begleiterkrankungen oder Anomalien, Röntgennativuntersuchungen des Handgelenkes bei klinischen Verdacht auf Arthrose.

Hochauflösende Sonographie zur Beurteilung der Weite des knöchernen Karpalkanals. MRT ist in Ausnahmefällen bei Tumorverdacht sinnvoll.

Differentialdiagnosen
Polyneuropathie, cervikale Wurzelsyndrom C6/C7.

 

Behandlung


Konservative Behandlung:
1. Palmare Handgelenksschiene
2. Entzündungshemmende, nicht steroidale Medikamente
3. Orale Verabreichung von Kortikoidpräparaten(auf zwei Wochen limitiert)
4. Lokale Kortikoidinfiltrationen in den Karpaltunnel

Operative Behandlung
Die operative Behandlung ist bei entsprechender Indikationsstellung konservativen Maßnahmen überlegen. Ziel der Behandlung ist die Dekompression des Nervus medianus durch vollständige Spaltung des Retinakulums unter Schonung, aypischer motorischer Äste sowie von Seitenästen des Ramus palmaris. Der Eingriff wird in der Regel ambulant (aus patientenbezogenen Gründen auch stationär) durchgeführt.

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Anästhesie


Möglichkeiten sind die lokale Infiltrationsanästhesie oder Plexusanästhesie, in seltenen Fällen Allgemeinnarkose.
Technik
Der Eingriff wird in der Regel in einer Oberarmblutleere, d. h. bei aufgeblasener Blutdruckmanschette am Arm durchgeführt. Die Retinakulumspaltung wird im Regelfall über einen 2,5 cm langen Hautschnitt offen, das heißt unter Sicht durchgeführt. Der Nerv selbset wird im Regelfall nicht freigelegt (keine Neurolyse). In besonderen Föllen (z.B. Rheuma) wird die entzündlich veränderte Gleitschicht der Beugesehnen entfernt (Synovialektomie). Nach dem Eingriff wird das Handgelenk für ca. fünf Tage in einer Unterarmschiene ruhig gestellt. Während dieses Zeitraums sollten die Finger frei bewegt werden.

Eine Wundkontrolle sollte im Abstand von zwei bis drei Tagen vorgenommen werden. Die Fäden werden 14 Tage nach der Operation gezogen.
Alle täglichen Verrichtungen sind innerhalb von 14 Tagen, Auto fahren innerhalb von 10 Tagen möglich.

Die Arbeitsunfähigkeit beträgt bei regulärem Verlauf in Abhängigkeit von der manuellen Belastung zwei bis sechs Wochen, für leichtere Arbeiten auch weniger.

 

Komplikationen


Komplikationen treten nach einer internationalen Studie in ca. 0,8 % der Fälle auf und betreffen vor allen Dingen Gefäß- oder Nervenverletzungen.

In seltenen Fällen kommt es zu länger andauernden Narbenschmerzen mit einer Kraftminderung der Hand. Diese klingen in der Regel nach spätestens sechs Monaten ab.