Dr. Bernhard Lukas  
 

   

Skidaumen (Bandverletzung am Daumengrundgelenk)

 

Definition

Riss des ellenseitigen Seitenbandes am Daumengrundgelenk.

 

Verletzungsmechanismus

Wie der Name bereits aussagt, ist die Bandverletzung am ellenseitigen Daumengrundgelenk eine häufige Verletzung beim Skisport und entsteht entweder durch direkten Sturz auf den abgespreizten Daumen oder aber durch ein Hängenbleiben des Daumens beim Sturz in der Stockschlaufe.

Selbstverständlich kann eine derartige Verletzung aber auch im Rahmen anderer Aktivitäten eintreten.

 

Symptome

Schmerzen, Schwellung Daumengrundgelenk, subjektiv Kraftverlust und Instabilitätsgefühl. Wesentliche Probleme im Alltag treten beim Festhalten größerer Gegenstände auf, z.B. beim Halten einer Flasche, da durch die fehlende Stabilität des Grundgelenkes der Daumen zur Speichenseite abweicht.

 

Diagnose


Bei der klinischen Untersuchung durch den geübten lässt sich im Seitenvergleich eine vermehrte „Aufklappbarkeit“ des Daumengrundgelenks zur Speichenseite auslösen.

Aufgrund der starken Schmerzen im Akutstadion ist eine derartige Untersuchung in dieser Phase aber nur mit Einschränkung verwertbar.

1. Röntgenuntersuchung des Daumens in zwei Ebenen
Diese dient zum Nachweis eines eventuell knöchern abgesprengten Gelenkstückes beim sog. „knöchernen Skidaumen“.

2. Dynamische Untersuchung unter dem C-Bogen
Diese weist eine deutlich vermehrte seitliche Aufklappbarkeit des betroffenen Daumengrundgelenkes im Vergleich zur Gegenseite auf.

3. Sonographie sowie Computertomographie
sind im Einzelfall nützliche Zusatzuntersuchungen.

Abgegrenzt werden muss die komplette Bandruptur bei der die Bandanteile sich körpernah zurückgeschlagen haben von einer Zerrung, Überdehnung oder Teilruptur des Bandes.

 

Therapie

Unvollständige Bandrupturen oder Überdehnungen lassen sich mit einer Ruhigstellung in einer Daumenschiene für vier Wochen zur Ausheilung bringen. Komplette Bandrupturen oder knöcherne Bandausrisse, bei denen der körpernahe Anteil des Bandes unter einen ansetzenden Daumenmuskel zurückgeschlagen ist (Stener-Läsion), sollten operativ versorgt werden.

 

Operative Maßnahmen

Bei einer Durchtrennung des Bandes mit beidseits noch genügend lang vorhandenen Bandresten lässt sich eine direkte Bandnaht durchführen. Ist das Band, wie es häufig vorkommt, am Grundknochen des Daumens knochennah abgeschert, erfolgt die Fixierung in einer Art Dübeltechnik über einen sogenannten Knochenanker.

Ist das Band mit einem Knochenstück ausgerissen, erfolgt die Fixierung des ausgebrochenen Knochenstücks entweder durch eine Mimischraube oder aber feine Drähte.

In jedem Fall ist postoperativ eine zusätzliche Ruhigstellung in einer Thermoplastschiene für sechs Wochen erforderlich.

Mögliche Komplikationen
Neben den üblichen Komplikationen eines jeglichen operativen Eingriffs wie Nervenverletzung, Wundheilungsstörung, Blutung, kann es trotz sorgfältig durchgeführter Bandrekonstruktion in Einzelfällen möglich sein, dass das Band in der Folge seine ursprüngliche Festigkeit nicht erreicht und eine Instabilität des Gelenkes zurückbleibt.

Es ist ebenfalls in seltenen Fällen möglich, dass durch die Bandnaht und die Dauer der Ruhigstellung eine zumindest vorübergehende Bewegungseinschränkung im Grundgelenk bei der Beugung und Streckung eintritt, die dann eine intensiven manuelle Therapie erforderlich macht.

 

Wann ist eine Bandplastik erforderlich?

Besteht eine Instabilität im Daumengrundgelenk bereits viele Monate, weil entweder die Verletzung primär nicht erkannt oder aber die alleinige Ruhigstellung nicht die erforderliche Festigkeit des Bandes erbracht hatte, ist eine operative Stabilisierung durch alleinige Bandnaht nicht mehr möglich. In diesem Fall ist es erforderlich, das insuffiziente Band durch eine sogenannte Bandplastik, die mit einem Sehnentransplantat durchgeführt wird, zu ersetzen.

 

Prognose

Besteht die Instabilität des Gelenkes bereits viele Jahre, kommt es in der Regel zum Knorpelabrieb und zur Arthrose des Daumengrundgelenkes mit entsprechender Schmerzsymptomatik.

In diesem Fall sind rekonstruktive Maßnahmen des Bandapparates nicht mehr sinnvoll. Bei entsprechender Instabilität oder aber Beschwerden bleibt lediglich als Rückzugsmöglichkeit eine Versteifung des Daumengrundgelenkes.