Dr. Bernhard Lukas  
 

   

 

SL-Bandverletzung / SLAC

 

 


Im Bereich der Handwurzel werden die Handwuzelknochen durch Bänder zusammengehalten. Erst durch diese Bänder wird eine gewisse Stabilität gewährleistet.
Zu den wichtigsten dieser Bänder zählt das zwischen Kahnbein (Skaphoid) und Mondbein (Lunatum), das so genannte SL-Band.


1 
2

SL-Band-Zerreißung (Ruptur): In den Röntgenaufnahmen zeigt sich zwischen Kahnbein und Mondbein eine deutliche Lücke

 


Bei einer kompletten Zerreißung dieses Bandes ist die Stabilität der Handwurzel nicht mehr gewährleistet, es kommt zum zunehmenden Kollaps der Handwurzel (Scapho-Lunate-Advanced-Collaps; SLAC) und damit zu Fehlbelastungen der Gelenkflächen mit den Folgen des Knorpelaufbrauches und damit der Arthrose.


3

Intraoperativer Befund einer fortgeschrittenen SL-Band-Dissoziation mit klaffendem SL-Spalt und Arthrose am Kahnbein

 

4

Röntgenbefund einer fortgeschrittenen SL-band-Dissoziation (SLAC-Wrist)

 

 

Verletzungsmechanismus


Mit abstand am häufigsten kommt es zu einer solchen Bandverletzung durch einen Sturz auf das Handgelenk, ähnlich wie bei der distalen Radiusfraktur, oder durch eine Verdrehtrauma des Handgelenkes. Seltener sind entzündliche Erkrankungen (Rheuma) oder Stoffwechselerkrankungen (Calciumablagerungen) für eine Bandruptur verantwortlich.

 

Symptome


Die Beschwerden bei einer Bandverletzung sind von einer Prellung oder Verstauchung nicht zu unterscheiden. Häufig fehlen sie nach einigen Tagen vollständig.
Sind Beschwerden vorhanden, so äußern diese sich meist bei Belastung, durch schmerzbedingten Kraftverlust und Bewegungseinschränkung. Die Beschwerden sing meist durch Schwellungszustände am Handgelenk begleitet.

 

Diagnostik


Bei der klinischen Untersuchung findet sich meist ein Druckschmerz zwischen Kahnbein und Mondbein. Je nach Ausprägung des Bandschadens kann es bei bestimmten Untersuchungstests (Instabilitätstest nach Watson) zu einem „Schnappen“ im Handgelenk kommen. Neben Standartröntgenaufnahmen können Spezialaufnahmen, meist im Seitenvergleich Hinweise auf einen Bandschaden geben.
Als einer der wichtigsten apparativen Untersuchungen gilt die Kinematographie. Hierbei handelt es sich um eine dynamische Darstellung des Handgelenkes unter Durchleuchtung.
In der Kernspintomographie sind solche Bandschäden in der Regel nicht eindeutig darstellbar.
Als „Goldstandart“ und damit als wichtigstes Diagnosemittel gilt die Spiegelung (Arthroskopie) des Handgelenkes. Hierbei kann unter direkter Sicht auf das Band und bei Bedarf Abfahren desselbigen mit einem Tasthaken das Ausmaß des Schadens dargestellt werden.
Eine exakte Abklärung ist Grundvoraussetzung für die Planung und Ausführung einer adäquaten Therapie.

 

5

Operationsanordnung bei einer Handgelenksarthroskopie

  

Behandlung


Die Therapie eines SL-Bandschadens hängt vom Alter und dem Ausmaß der Läsion ab.
Frischer Bandschaden:
Handelt es sich um eine relativ frische Verletzung (nicht älter als 2 bis 3 Monate) und ist das Band nur zum Teil geschädigt, so ist eine ca. 6-wöchige Ruhigstellung im Unterarmgips ausreichend. Bei einer Komplettzerreissung wird das Band genäht, bzw. mit einem „Knochenanker“ am Kahn- oder Mondbein wieder fixiert. Zusätzlich müssen hier die beiden Handwurzelknochen durch 2 Drahtstifte (K-Drähte, Pins) für 8 Wochen aneinander fixiert werden um ein Ausreißen der Nähte zu vermeiden. In diesen 8 Wochen wird das Handgelenk durch einen Unterarmgips fixiert.
Die Prognosen für solche frischen Verletzungen sind gut, sie heilen meist ohne wesentliche Spätfolgen aus.

 

Alter Bandschaden


Bei älteren Bandverletzungen gestaltet sich die Therapie wesentlich schwieriger.
Eine Naht oder Refixierung des Bandes ist in der Regel nicht mehr möglich. Je länger die Instabilität durch das verletzte Band besteht, desto mehr verkippen die Handwurzelknochen zueinander, es resultiert eine Fehlstellung. Mit zunehmender Fehlstellung und zunehmender Dauer der damit verbundenen Fehlbelastung der Gelenkflächen kommt es zum Knorpelverschleiß (Arthrose), dem so genannten SLAC (Scapho-Lunate-Advanced-Collaps)
Ist die Fehlstellung noch problemlos korrigierbar und besteht noch keine Arthrose, so kann das Band durch eine Kapselplastik oder Bandplastik rekonstruiert werden.
Ist die Fehlstellung nicht mehr zu korrigieren und/oder besteht bereits ein Knorpelschaden, so ist eine Bandrekonstruktion nicht mehr möglich. In diesen Fällen verbleibt nur die Möglichkeit einer Teilversteifung der Handwurzel (Mediokarpaleteilversteifung) oder einer Entfernung einer ganzen Reihe an Handwurzelknochen (Proximal-Row-Carpektomie).
Die Prognose in diesen Fällen ist deutlich schlechter als bei frischen Verletzungen, trotzdem ist eine teilversteifte Hand nur zu etwa 10-20% gegenüber einer gesunden Hand in ihrer Funktion eingeschränkt.


6 

Zustand nach Mediocarpaler Teilarthrodese

 

 

7

Zustand nach Proximal Row Carpectomy

 

 

Komplikationen


Auch hier gelten die üblichen Operationsrisiken wie bei Versorgung eines anderen Knochenbruches: Verletzung eines Nerven oder Gefäßes, Hämatombildung durch Nachblutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Reflexdystrophie.
Eine sichere Ausheilung kann auf Grund der schlechten Durchblutung des Kahnbeines leider nicht garantiert werden.