Dr. Bernhard Lukas  
 

   
Distale Radiusfraktur (körperferner Bruch der Speiche)

 

Verletzungsmechanismus


Der Bruch der Speiche handgelenksnah ist mit 20 % einer der häufigsten Knochenbrüche des Menschen. Ursache ist im Regelfall ein Sturz auf das ausgestreckte Handgelenk, seltener ein direktes Anpralltrauma.

Betroffen sind meist ältere Menschen bei gleichzeitig bestehender Osteoporose (Knochenentkalkung).

Zunehmend mehr werden aber auch jüngere Menschen durch erhöhte Risikobereitschaft bei Trendsportarten betroffen.

Gerade bei diesen kommt es durch die hohen auf das Handgelenk einwirkenden Kräfte zu komplexen Zerstörungen des Knochens sowie der Gelenkfläche.

 

Symptome


Die typischen Symptome eines Speichenbruchs nach einem Sturz sind Schmerzen, Schwellung, eine äußerlich sichtbare Fehlstellung des Knochens, ein Reibegeräusch sowie fehlende Gebrauchsfähigkeit der Hand.

 

Diagnostik

Die exakte Diagnostik umfasst eine klinische Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt sowie die Röntgenuntersuchung des Handgelenkes in zwei Ebenen.

Im Regelfall lässt sich dadurch ein Bruch nachweisen oder aber auch ausschließen. Bestehen Zweifel oder sind weitere Informationen über etwaige Verwerfungen der Gelenkfläche erforderlich, sollte eine Computertomographie durchgeführt werden.

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Behandlung

1. Stabile Brüche
Darunter versteht man kaum oder nur minimal verschobene Brüche. Diese können in einer vier- bis sechswöchigen Schienenruhigstellung zur Ausheilung gebracht werden. Brüche mit geringer Verschiebung werden in einem örtlichen oder regionalen Betäubungsverfahren eingerenkt. Auch diese können im Anschluss durch eine Schienenruhigstellung zur Ausheilung gebracht werden.

2. Instabile Brüche
Darunter versteht man Brüche mit deutlicher Achsabweichung oder aber Zerstörung der Gelenkfläche.

Derartige Brüche werden in der überwiegenden Zahl der Fälle in einem regionalen Betäubungsverfahren oder in Allgemeinnarkose operativ versorgt.

 

Das früher häufig praktizierte Verfahren der perkutanen Spickung mit Drähten wird auf Grund häufig unbefriedigender Ausheilungsergebnisse und hoher Komplikationsraten (z.B. Nervenverletzungen, Infektionen) nur noch selten angewandt.

Mit dem äußeren Spanner (Fixateur externe) sowie gewebeverträglichen internen Kraftträgern z.B. Platten aus Titan stehen uns heute Osteosyntheseverfahren zur Verfügung, die in vielen Fällen eine anatomische Rekonstruktion des gebrochenen Knochens ermöglichen mit einem Minimum an Funktionsverlust.

Gerade die Entwicklung sogenannter winkelstabiler Platten ermöglicht es, dass bei Knochendefekten häufig auf eine zusätzlich erforderliche Verpflanzung von Eigen- oder Fremdknochen verzichtet werden kann.

Ein weiterer Vorteil derartiger Verfahren liegt in der verkürzten Dauer der Ruhigstellung, wodurch der gesamte Rehabiliationsprozess beschleunigt wird. Die Entstehung einer der gefürchteten Komplikationen der sogenannten Reflexdystrophie wird dadurch deutlich reduziert.

 

Komplikationen


Es gelten die üblichen Operationsrisiken bei der Osteosynthese eines Knochenbruchs: Gefäßnervenverletzungen, Hämatombildung durch Nachblutung, Wundheilungsstörung, Reflexdystrophie, Einschränkung der Beweglichkeit, Ausbrechen des Osteosynthesematerials.

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Nachbehandlung


Evtl. zusätzliche Schienenruhigstellung für zwei bis vier Wochen
Da nach jedem operativen Eingriff Schmerzen und eine Schwellung des Gewebes auftreten, muss der Arm hochgelagert und gekühlt werden. Eine kontinuierliche Schmerzbehandlung über den für die Narkose eingebrachten Plexuskatheter für die ersten 24 Stunden ist empfehlenswert.

 

Zusätzliche Maßnahmen


Lymphdrainagen
Entstauungs- und Fingerübungen unter physiotherapeutischer Anleitung
Bei Anlage eines Fixateur externe regelmäßige Desinfektion und Pflege der Haut V.a. an der Eintrittsstelle der Pins
Röntgenkontrollen im vorgegebenen Zeitabstand, Fäden ex nach 14 Tagen
Freigabe des Handgelenkes zur Beübung nach Rücksprache mit dem Operateur.

 

Entfernung des Osteosynthesematerials

 

Kirschner Drähte und äußere Spanner müssen in der Regel zwischen der 6. und 8. Woche entfernt werden. Eingebrachte Platten können prinzipiell belassen werden, sollten sie stören, können diese auch zwischen dem 6. und 12. Monat nach der Versorgung entfernt werden.

Dauer der Arbeitsunfähigkeit
Individuelle Beurteilung je nach Beruf und Art der Versorgung.