Dr. Bernhard Lukas  

   

Weichteildefekte

 

Die häufigste Ursache für weichteildefekte sind Unfälle oder deren Folgen.
Aber auch die Behandlung von Tumoren, von Verbrennungen, Erfrierungen sowie Bestrahlungen können zu mehr oder weniger ausgedehnten Weichteildefekten entweder am Rumpf oder aber an den Extremitäten führen. Entscheidendes Kriterium zur Behandlung von Weichteildefekten sind die Tiefenausdehnung, die Größe sowie die Lokalisation des entsprechenden Defektes.
Oberflächliche Defekte, die lediglich bis in das Unterhautfettgewebe reichen, lassen sich in der Regel gut mit Hautverpflanzungen behandeln. Dabei wird von einer unverletzten Region, zum Beispiel dem Oberschenkel mit einem Schneidegerät ein dünnes Hauttransplantat entnommen und direkt über dem Defekt eingenäht. Die Hauttransplantate können entsprechende Schablonen gitterförmig vergrößern, somit lassen sich durch große Areale wie zum Beispiel nach Verbrennungen ausreichend decken.
Geht der Defekt bis in tiefergelegene Schichten, sodass Sehnen, Muskeln, Nerven oder sogar der Knochen frei liegen, kann mit der reinen Hautransplantation keine zuverlässige Deckung mehr erzielt werden. In diesen Fällen ist es notwendig, die Deckung durch Muskelplastiken oder Hautfettplastiken durchzuführen. Bei kleinen Defekten, gerade am Rumpf ist es oftmals möglich, durch Verschiebungen der Weichteile eine primäre Deckung zu bewerkstelligen.
An den Extremitäten, vor allen Dingen am Unterschenkel oder Unterarm ist es oftmals schwierig mit ortsständigen Gewebe eine ausreichende Deckung durchzuführen.
In diesen Fällen ist es erforderlich, von körperfernen Regionen, Muskel-, Muskelhaut- oder Hautlappen zu entnehmen und am Ort des Defektes mikrochirurgisch neu an die Blutgefäße der Empfängerregion anzuschließen. Die häufigsten Spenderareale zur Gewebsentnahme sind die Rücken- und Bauchregion, der Oberschenkel und Oberarm.
Bei noch komplexeren Defekten, die mit Verlust von Knochen, Nerven und Sehnen einhergehen, kann es bisweilen erforderlich sein, mit sog. Kombinationslappen, Knochen, Sehnen, Nerven mikrochirurgisch zu rekonstruieren.

Im folgenden werden exemplarisch an Hand entsprechender Defekte einzelner Körperregionen, die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aufgezeigt.

 

 

1. Unfallbedingter Weichteildefekt am Fuss, die knöcherne Stabilisierung erfolgte durch einen äußeren Spanner, einen sog. Fixateur externe. Zur Weichteildeckung nach einem radikalen Debridement des zerstörten Gewebes wurde ein sog. Scapulalappen, ein Hautfettlappen von der Rückenregion entnommen und an die Blutgefäße des Unterschenkels angeschlossen.

 

           
Gewebsnekrosen                             nach dem Debridment





            
der angeschlossene                         Ausheilungsergebnis
Scapulalappen

 

 

 

2. Knochenentzündung eines 65-jährigen Patienten nach operierter Außenknöchelfraktur. Nach einem radikalen Knochen- und Gewebsdebridment erfolgte die Deckung durch einen Scapulalappen

 

        

Osteosynthese         freiliegender Knochen            eingezeichneter 
                                                       Scapulalappen




       
umschnittener Scapula-         gehobener Scapulalappen an  
lappen                         seinen Blutgefäßen hängend




 
        
eingenähter Lappen               Narbe an der Entnahmestelle

 

 

 

3. Schussverletzung mit Zerstörung von Knochen, Sehnen, Nerven und Haut.

Nach der Rekonstruktion durch eigenen Knochen vom Becken, Sehnen- und Nerventransplantaten erfolgte die Weichteildeckung durch einen Hautfettlappen vom Oberarm.

 

        
Unfallbilder Streckseite      -Beugeseite                     eigezeichneter Oberarmlappen

 

       
Rekonstruktion von            Oberarmlappen                   Entnahmestelle
Knochen,Sehnen, Nerven







    
Ausheilungsergebnis            Ausheilungsergebnis
         

        

         

4. Bei diesem Kind war es nach zahlreichen Voroperationen zu einem Knochendefekt der Speiche gekommen. In diesem Fall wurde ein Stück Knochen aus dem Wadenbein entnommen und an die Blutgefäße des Unterarmes angeschlossen und somit der knöcherne Defekt überbrückt.
Das Ausheilungsergebnis nach einem halben Jahr mit freier Beweglichkeit des Unterarmes

 

            
Knochendefekt Speiche        Knochenstück aus dem       Rekonstruktion Speiche
                             Wadenbein                  durch Wadenbeinknochen





     
              Funktionelles Ergebnis     

 

 

5. Es handelt sich um einen Höhenbergsteiger, der beim Absturz massive Erfrierungen aller Extremitäten erlitten hatte. Da beide Hände betroffen waren, war es Ziel der Behandlung, die erforderlichen Amputationsgrenzen möglichst körperfern zu verlagern und möglichst lange Restfinger zu rekonstruieren. Dazu waren zahlreiche Weichteilrekonstruktionen durch teils ortsständige, zum Teil aus körperfernen Regionen entnommene Gewebsstücke erforderlich. Zusätzlich wurde auf einer Seite durch einen entsprechenden Distraktor eine Knochenverlängerung durchgeführt um die im Mittelhandbereich amputierte Resthand zu einer entsprechenden Zangenfunktion umzuformen.

 

 

       

 

 

    
Foucherlappen zum Daumen       Metakarpallappen zum      Ergebnis rechte Hand
                               3.Finger

 

    
Amputation in Höhe         Deckung durch Scapulalappen     Knochenverlängerung
Mittelhand                                                 1. Strahl







            
    
Vertiefung der              Zangengriff mit der           Endergebnis beidseits
Zwischenfingerfalte         linken Hand